MUSEGGMAUER
Architektur, Baudenkmal und Lebensraum – hörbar erleben.

Als geschichtliches Zeugnis steht die Museggmauer beinahe noch im mittelalterlichen Originalzustand aus dem 13. Jahrhundert und prägt als grosse Befestigungsanlage mit seinen unterschiedlich gebauten Türmen das Stadtbild von Luzern.

Interessant ist auch, dass die Museggmauer frei steht und kaum von Gebäuden bedrängt wird. In dieser speziellen räumlichen Anordnung wollten wir narrative Dispositionen entwickeln und uns dem Baudenkmal als Lebensraum annähern. Dabei war uns nicht die Architektur als städtebauliches Design und auch nicht der historiografische Aspekt des Bauwerks bedeutsam, sondern wie die Türme und das Mauerwerk heute genutzt, bestiegen und bewohnt werden.

Die Museggmauer als vertrauter Ort der alltäglichen und doch ungewohnten Begegnung und Lebensraum von Menschen und anderen Tieren. Eine klangbasierte Annäherung.

Museggmauer_Icons

AudioWalk

Die Anwendung Museggmauer AudioWalk ist ein narrativer Spaziergang entlang des historischen Baudenkmals. Dabei steht das Bauwerk nicht mit seinem geschichtlichen Hintergrund, sondern mit seinen Alltagsgeschichten und als Lebensraum von Menschen (und anderen Tieren) im Vordergrund. Ein Begegnungsort der anderen Art. Die erzählenden Protagonisten fordern zum Verweilen, Zuhören und Beobachten auf. Unsere Sinne werden geschärft. Dazu braucht es eigentlich kein Display. Durch die unterschiedlichen narrativen Blickwinkel auf die historische Architektur eröffnet sich eine neue Gegenwartsbedeutung.

Um den AudioWalk auszuprobieren: zuerst die ECHOES-App für iPhone oder Android runterladen und installieren. Über den folgenden QR-Code lässt sich der AudioWalk direkt über die App aufrufen.

QRCode AudioWalk



Nachfolgend können einzelne klangliche Impressionen aus dem AudioWalk hörbar erfahren werden (bitte weiter scrollen):

Männliturm

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Zytturm

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Wachtturm

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Winterpause

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Dohlen

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Fledermaus

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Gänsesäger

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Mauersegler

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Wir begleiteten den Musegg-Mauerwart Walter Fassbind und den Biologen Sebastian Meyer auf einem Rundgang entlang der Museggmauer und hielten ihre Geschichten und Erklärungen als Sounddatei fest.

Walter Fassbind ist Musegg-Mauerwart und Stadtökologe. «Meine Frau und ich haben uns im Jahr 2000 bei der Stadt Luzern für den Hof bei den Musegg-Türmen beworben», erzählt der gebürtige Schwyzer. «Acht Jahre lang bewirtschafteten wir das zwei Hektar grosse Areal, und gründeten Pia und Walter Fassbind auf die Idee, eine Stiftung zu gründen, um den Hof langfristig zu sichern. Immerhin besitzt Hinter Musegg eine 400-jährige Geschichte und stellt eine Art Luzerner Kulturgut dar: Kinder haben Freude an den schottischen Hochlandrindern, den Alpakas, den Zwergziegen, Säuli und Hühnern. In der Besenbeiz gibt es Bioprodukte und selbst gebrautes Bier. Zudem wird die grossen Scheune kulturell genutzt.

Sebastian Meyer hat als Biologe und Ornithologe die Sanierung der Museggmauer begleitet und dabei fast alle von Vögeln als Nistplatz benutzten bzw. geeigneten Brutnischen gesichert. Sebastian Meyer arbeitete nach dem Biologie-Studium an der Universität Zürich für die Stadt Luzern und den Kanton Aargau. Aktuell arbeitet er bei suisseplan Ingenieure AG raum + landschaft in Luzern. Ehrenamtlich hat er sich bei der Ornithologischen Gesellschaft der Stadt Luzern und bei der Lokalen Fledermausschutzgruppe Stadt Luzern engagiert und das Webportal naturschutz.ch mitgegründet.

ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN

Wir haben uns den beiden Protagonisten mit ihren Erzählungen über eine offene Form der ethnografischen Feldforschung angenähert. Ethnografische Feldforschung ist für uns in diesem Sinne nicht nur eine Methode der Datenerhebung, sondern vor allem auch ein Verfahren zur Sammlung von Erfahrungen und Erlebnissen, welche uns als forschenden Person zunehmend zu einem Teil des Feldes machen.  Dazu verwendeten wir qualitative, offene Gespräche, bei denen die Interviewpartner selber erzählen und ihre eigenen Schwerpunkte setzen konnten. Die Geschichten haben dabei durchaus dokumentarischen Charakter, sie werden in unserem App-Protoyp aber gleichzeitig auch als gestalterisches Material eingesetzt. Mit der Erstellung des Museggmauer-AudioWalk, hoffen wir eine erfahrbare zeitgemässe Annäherung an das historische Baudenkmal zu ermöglichen.